Nachrichten und Aktuelles

Mehr Widerstand gegen Armutstarife

real,-

Mehr Widerstand gegen Armutstarife

HAN­DEL Ma­ga­zin (01/2018)

Aktion gegen Tarifflüchtige
Nein zu Dumping-Gehälter bei real,-

Mehr tariflose und tarifflüchtige Unternehmen als bisher müssen in den nächsten Monaten mit überraschenden Streiks und anderen Aktionen rechnen. Außerhalb der regulären Entgeltrunden, die erst 2019 wieder anstehen, will ver.di schon jetzt deutliche Signale für den Erhalt der Flächentarifverträge im Handel und gegen Tarifflucht setzen.

Geplant sind u.a. regionale Schwerpunktstreiks und Kundgebungen, in die neben Obi und Amazon von Fall zu Fall auch andere Betriebe einbezogen werden. Kandidaten sind neben Adler, Karstadt Sports, Karstadt Feinkost, Dehner, Porta, TKMaxx und Wöhrl auch einige private Edeka-Center sowie Logistikzentren anderer Firmen.

Ziel sind Anerkennungstarifverträge zur Branche, so wie in der Vergangenheit zum Beispiel bei Esprit und Ikea. »Tarifpolitische Ruhe erhalten die Unternehmen durch Tarifbindung und Friedenspflicht «, lautet die klare ver.di-Ansage. Ohne Tarife, die existenzsichernd sind, ist auf Dauer mit Unruhe und starker öffentlicher Kritik zu rechnen. So ist es vor und nach Ostern bei Amazon Bad Hersfeld, Leipzig, Graben und anderen Standorten zu Streiks gekommen, im März hatten sich hunderte Beschäftigte an Arbeitsniederlegungen in Rheinberg und Werne (beide NRW) beteiligt. T-Shirt-Aktionen mit der Forderung 100% Tarif hat ver.di Anfang Februar bei OBI in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen gestartet.

»Tarifflucht ist der völlig falsche Weg«

Die Ende März angekündigte Tarifflucht der SB-Warenhäuser real könnte dem Kampf gegen die Unterhöhlung der Flächentarifverträge noch mehr Intensität verleihen. Bei Neueinstellungen plant die Unternehmensleitung der Metro-Tochter um bis zu 800 Euro abgesenkte Einkommen. Und das geht alle an, denn real will sich auf Kosten der Belegschaften einen enormen Vorteil im Verdrängungswettbewerb verschaffen. Die Folge: Ein unmittelbarer Druck auf das Tarifniveau im Handel, wenn nicht gegengehalten wird.

»Wir stellen uns auf eine harte Auseinandersetzung in diesem Generalkonflikt ein«, so ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. »Zusammen mit den Beschäftigten werden wir uns weiter für die Tarifbindung bei real einsetzen – mit Löhnen, Gehältern und Arbeitsbedingungen, die zum Leben reichen. « Auch Werner Klockhaus, Konzernbetriebsratsvorsitzender der Metro und Gesamtbetriebsratsvorsitzender von real hat sich entschieden gegen Dumping-Tarifverträge ausgesprochen. »Tarifflucht ist der völlig falsche Weg. Alle unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen Tarifentgelte, die zum Leben reichen.« Beide plädieren nachdrücklich dafür, dass die Politik die Tarifverträge im Handel endlich für allgemeinverbindlich erklärt.

Zur Erinnerung: ver.di und real hatten vor knapp zwei Jahren einen »Zukunftstarifvertrag « abgeschlossen. Dieser sah Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie eine Investitionszusage von 1 Milliarde Euro vor. Dagegen stand der Verzicht auf Entgelterhöhungen bis 2018 und eine Kürzung der Sonderzahlungen 2017 bis 2019. Für ver.di-Mitglieder wurde eine Vorteilsregelung vereinbart. Gleichzeitig verpflichteten sich beide Seiten, über eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln. [...]


_________________
Alle Infos in der aktuellen HAN­DEL (01/2018)

  • real
    Mehr Widerstand gegen Armutstarife

  • Primark
    Der erste Gesundheitstarifvertrag

  • Mitbestimmung
    Betriebsräte: wichtiger denn je

  • Zara
    Zara mischt zuviel mit

  • Douglas
    Immer mehr Betriebsräte

    und
  • viele weitere Themen!