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Nordkurier entlässt 60 Brief- und Paketzusteller in Mecklenburg …

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Nordkurier entlässt 60 Brief- und Paketzusteller in Mecklenburg unmittelbar nach erstmaliger Bestellung eines Wahlvorstandes zur Einleitung von Betriebsratswahlen

Wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) mitteilt, haben rund 60 Brief- und Paketzusteller der Nordkurier Logistik Mecklenburgische Schweiz GmbH & Co. KG am 29. Dezember 2017 die Kündigungen ihrer Arbeitsverhältnisse erhalten.

Die Geschäftsführung beabsichtigt eine Betriebsschließung zum 31. Januar 2018.

Besonders auffällig ist, dass die Belegschaft erst im November einen Wahlvorstand wählte, um ihre Interessen zukünftig und erstmals durch einen Betriebsrat vertreten zu lassen.

Die Nordkurier Logistik Mecklenburgische Schweiz GmbH & Co. KG ist eine Tochterfirma (100%) der Nordkurier Mediengruppe GmbH & Co. KG an der auch die Kieler Nachrichten zu einem Drittel beteiligt ist und die sich in sieben Zustellbetriebe innerhalb der Postleitzahl 17 gliedert und u. a. die Tageszeitung „Nordkurier“ vertreibt.

Die von der Kündigung betroffenen Beschäftigten arbeiten ausschließlich in Vollzeit (35 Wochenstunden) und auf Mindestlohnniveau in und um Dargun, Gnoin, Teterow, Malchin und Stavenhagen. Alle weiteren individuellen arbeitsvertraglichen Bestandteile liegen auf Gesetzesniveau. Die Regelarbeitszeit beginnt um 02:00 Uhr in der Nacht und geht bis 10:00 Uhr / 12:00 Uhr am Tage. Die tägliche Zustellmenge beträgt 40.000 – 50.000 Sendungen. Eine Minimalausstattung an Arbeitsschutzbekleidung wird den Beschäftigten vom Betrieb gestellt, darüber hinaus gehende Kleidung muss käuflich erworben werden.

„Der Nordkurier hat miserable Arbeits- und Einkommensbedingungen. Anstatt sich mit Betriebsräten und ver.di sachorientiert auseinanderzusetzen, wählt die Geschäftsführung den vermeintlich einfachen Weg der Betriebsschließung und entlässt 60 loyale Zeitungs- und Briefzusteller in die Arbeitslosigkeit.“, so der im Norden zuständige Landesfachbereichsleiter Postdienste, Lars-Uwe Rieck.

Rieck weiter: „Die unabhängige Berichterstattung im Nordkurier gerät in Schieflage, da die Betriebsschließung und die einhergehenden Kündigungen bisher systematisch in der Tageszeitung gegenüber Kunden, Abonnenten und der Öffentlichkeit verschwiegen wurden.“

Aufforderungen zur Stellungnahme verweigert die Geschäftsführung gegenüber ver.di.

Nach ver.di-Informationen frankiert der Nordkurier gegenwärtig alle Briefsendungen in der betroffenen Region um und gibt diese bei der Deutschen Post AG zur Zustellung in Auftrag.
In der kommenden Woche wird ver.di die Kampagne „fair zustellt, statt ausgeliefert“ beim Nordkurier starten und insbesondere die Zeitungsabonnenten/-leser ausführlich informieren. Details zu öffentlichen Aktion werden zeitnah bekannt gegeben.

ver.di fordert die Geschäftsführung auf, die Absicht zur Betriebsschließung zu verwerfen und die Kündigungen zurückzunehmen.